Rennradurlaub auf Mallorca
Stand: 28.05.16

Seit vielen Jahren verbringe ich einige Wochen des Jahres auf Mallorca mit Schwerpunkt Rennrad fahren. Inzwischen gibt es wohl keine Ecke der Insel mehr, die ich noch nicht erkundet habe. Es gibt sie aber noch, kleine weisse Flecken auf der Insel, die ich zumindest mit dem Rennrad noch nicht befahren habe. Ich habe natürlich auch verschiedene Standorte für einen Radurlaub ausprobiert.

Um Vorweg wenigstens eine Lanze für den Süden der Insel, also die Region Palma, zu brechen: Sie ist im Gegensatz zum Rest der Insel in der Regel immer um 1-3 Grad wärmer. Das mag für einige ein Pro-Argument für das erste Quartal im Jahr sein.
Da ich keine Rennen fahren möchte und auch keinen Zeitdruck habe Form aufzubauen ziehe ich den April-Mai vor. Der April ist noch ein wenig frischer und kann einige Regentage beinhalten.
Der Mai ist "mein" Monat. Die Temperaturen bewegen sich in der Regel zwischen 20-25 Grad (jetzt in 2015 hatten wir einige Tage sogar 34 Grad, was definitiv zu viel ist). Das Wasser im Meer und auch Pool ist im Mai ebenfalls bereits benutzbar und Regentage hatte ich in all den Jahren noch nie mehr als einen Tag! Endlich kann man jeden Tag in Kurz-Kurz fahren und benötigt nur eine Windjacke in der Rückentasche.

Zu den nun folgenden Bewertungen muss ich einige Anmerkungen machen, um sie richtig einordnen zu können.
Ich fliege nach Mallorca
• um Rennrad zu fahren, nicht zu feiern
• meide inzwischen möglichst die Touristenzentren und suche mehr Ruhe
• will dort zwar sehr intensiv Rad fahren aber auch Sonne und Wärme geniessen
• möchte Touren fahren in der Grössenordnung 100-150Km mit niemals unter 1000Hm.

Unterkünfte
Meine bessere Hälfte und Ich sind keine Hotelfans mehr, insbesondere nicht auf Mallorca. Es gibt gerade auf Mallorca eine Unmege an Appartements und Fincen für jeden Anspruch. Einen Mietwagen sollte man allerdings einkalkulieren, wenn man sich für eine Finca entscheidet.

Radverleih
Es gibt unzählige kleine und grosse Radverleiher aus Mallorca. Wohin sollte man nun gehen? Unter den Kleinen gibt es welche die man meiden sollte, findet aber auch so manche Perle. Die Grossen wie "Hürzeler" oder "Bike Schon" finde ich durchweg solala, sind aber vermutlich die unproblematischsten Anbieter. Man sollte jedenfalls mit gesundem Menschenverstand und ein wenig technischem Verständnis die Auswahl treffen. Jeder von uns weiss, wie nervtötend aber auch gefährlich ein schlecht gewartetes Rad sein kann.
Reklame wie von Hürzeler, dass man vor dem Verleih "professionell" Vermessen wird kann man getrost ignorieren. Nach der Vermessung der Arm- und Beinlänge wird in das Regal gegriffen und ein Rad bereit gestellt, welches so in etwa passt. Sitzposition ist egal, die Vorbaulänge z.B. um Sprünge in der Rahmengrösse auszugleichen, wird ignoriert. Hier findet Massenabfertigung statt, keine individuelle Betreuung. Das ist bei so manchem kleinen Anbieter besser. Trotzdem wird in den Internetforen über die Qualität der Verleiher heftig gestritten. Egal bei wem gibt es wohl positive als auch negative Ausreisser.
Das Sportbike meiner Frau war dieses Jahr (2015) mal von Hürzeler. Grundsätzlich war alles ok, etwas gemosert hat sie trotzdem, denn es war ein schweres Bike (Cube), die Sprünge in der Rahmengrösse von 53 auf 57 waren sehr unpassend und die Tiagra Schaltung entsprach auch nicht der gewohnten Ultegra und was besseres gab es nicht.
Die grossen Verleiher bieten in der Regel zumindest SPD-Pedale an. Wer also mit seinen Rennradschuhen anreist, sollte tunlichst auch seine Pedalen mitbringen. Den eigenen Sattel mit zu führen dürfte auch keine schlechte Idee sein, dann aber wenigstens ein Kombiwerkzeug für die Montage mitbringen!
Ich nehme seit vielen Jahren nur noch mein eigenes Bike mit. Abgesehen davon, dass ich gerne weiss worauf ich mich verlasse, wenn ich Abfahrten mit über 60Km/h mache fühle ich mich auf meinem Rad einfach wohl. Dazu kommt, dass ich mit der Servicecard von Air Berlin für 120€ (Stand 2015) ein ganzes Jahr mein Rad kostenfrei mitnehmen kann, auf jedem Flug. Alleine mein 3-Wochenaufenthalt auf Malle würde mich an Leihgebühren mindestens 75€ die erste Woche plus 10€ je Verlängerungstag kosten. 215€ für ein Rennrad unterstes Niveau. Für ein Rad ähnlich meines Carbonrenners käme ich auf 400€.
Der für den Transport erfoderliche Radkoffer kostet ca. 150€. Wer sein Bike also öfters transportieren will fährt damit und der Servicecard von AirBerlin recht günstig. Bei Flug im Mai buche ich die ServiceCard am 1.Mai, dann hat sie ein Gültigkeitsjahr bis Mai im Folgejahr, kann sie  also 13 Monate nutzen, was den Transportpreis nochmals halbiert.
Die Horrorgeschichten von beim Transport völlig zerstörten Koffern und Rädern kenne ich auch, bisher habe ich sowas jedoch weder selbst erlebt/gesehen noch in meinem Bekanntenkreis gehört. Beim Koffer eines Radkollegen wurde mal ein Rad abgerissen. Der Schaden wurde problemlos von AirBerlin übernommen.

Standorte
El Arenal
auch bekannt als "Ballermann". Hier habe ich meine Mallorca Ersterfahrung gemacht. Der Vorteil der Lage ist die Nähe zum Flughafen. Man ist in wenigen Minuten im Hotel. Für mich überwiegen aber die Nachteile des Standortes. Hässliche Bettenburgen, Touristennepp, hier geht es mehr ums Saufen und Feiern. Unsere Gilde sehe ich dort mehr als Fremdkörper.

Noch entscheidender ist meiner Meinung nach aber die etwas ungünstige Lage hinsichtlich der Radtouren. Im Nordwesten ist das Tramuntana mit wirklich schönen Anstiegen zwar zu sehen, aber dazwischen liegt Palma und verhindert mit seinen urbanen Auswüchsen den einfachen und direkten Zugang in das Radsportgebiet. Es ist sicher mal nett den Küstenradweg entlang der Bucht von Palma und dem Hafen zu fahren, aber nur ein Mal um die Stadt mal aus dieser Perspektive zu sehen! Spaziergänger, Torkler (meine Bezeichnung für die "normalen" Radfahrer, die langsam und in Schlangenlinien die Fahrbahnbreite für sich alleine benötigen) und Skater machen die Passage unattraktiv. Nach Norden gibt es nur wenige Ausfallstrassen und die sind  durch Verkehr stark frequentiert. Man verliert also schon alleine durch die Anfahrt des Rennradgebietes gute 15-20Km Fahrspass. Bleibt noch die andere Seite von Arenal die Küste entlang Richtung Südosten. Die Küstenstrasse sollte man mal gefahren sein. Es gibt zum Teil tolle Aussichten zu bewundern, aber auch schnellen Autoverkehr. Ruhige Strassen wird man hier nicht finden und die wenigen abgehenden Strassen münden in Campos und Llucmajor. Von diesen beiden Orten führen nur 5 grosse und eine kleine Strasse weiter Richtung Norden zu den z.B. Klosterbergen Cura und Sant Salvador. Weder verkehrstechnisch noch strassentechnisch kann mich dieses Angebot überzeugen.
El Arenal ist für mich daher der unattraktivste Standort zum Rennrad fahren. Ich versteife mich sogar zu der Behauptung, dass je mehr einer Hobby-/Spassfahrer ist, desto eher sollte er den Bereich um El Arenal aus seiner Favoritenliste streichen!

Paguera
Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust, pro und kontra. Der Ort liegt auf der anderen Seite von Palma, direkt am Fuss des Tramuntana. Damit ist schon viel über das Anforderungsprofil gesagt. Wer nur Anstiege fahren will ist hier richtig. Warmfahren im Flachen gibt es nicht mit einer Ausnahme: Dem bereits unter El Arenal erwähnten Küstenradweg Richtung Palma. Teils zwar hügelig die einzige Möglichkeit ins dort aber wenig attraktive Flache zu kommen. Die Klosterberge sind damit nur schwer zu erreichen, da alle Zufahrten zwangsläufig zumindest die Ausläufer von Palma kreuzen.
Schaut man sich die zur Verfügung stehenden Strassen an ist das Bild recht ernüchternd:
• die Küstenstrasse nach Soller
• die wunderschöne Strecke über Galilea
• die Variante über Calvia
und das war es. Für eine Woche Trainingslager und dann die Strassen in beide Richtungen befahren ok, aber dann wird es doch langweilig und wer Grundlagen fahren möchte ist hier erst recht nicht gut aufgehoben.

Colonia St Jordi bis Cala Ratjada
Diese Gegend (Llevante Gebirge) kenne ich nur von den Touren her, nicht aber als Standort für den Radurlaub.
Auf die gesamte Länge der Insel sind mir hier nur 8 Strassen bekannt, die ich zum Rennradfahren empfehlen würde. Alle anderen würde ich auf Grund des Zustandes und/oder Verkehrs unbedingt meiden. Von allen Orten lassen sich die Klöster Cura und Sant Salvador aber auch die Ermitas von Porreres, Bonany und Betlem erreichen. Leider steht entlang der Küste nur eine Strasse zur Verfügung, die ich als wenig attraktiv empfinde, vom Verkehr mal abgesehen.
Diese Region scheint sich mehr für MTB-ler zu eignen, da es dort noch einige schöne Trails im Llevante und der Küste gibt, insbesondere im Norden der Insel um Cala Milor bzw. Cala Ratjada.
Das Angebot an guten Radverleihern ist in der Region sehr eingeschränkt. Sehr zu empfehlen ist aber der Anbieter aus Felanitx (siehe meine Linkliste zum Radurlaub), der auch einen Lieferservice zum Hotel anbietet.

Pt Pollenca - Pt Alcudia - Picafort
Die letzten 6 Jahre habe ich nur noch in dieser Region meine Radurlaube verbracht. Der erste Versuch noch in einem Ferrer Hotel, danach in privat vermieteten Appartements und zuguter letzt nur noch auf der Finca. Insbesondere im Norden der Insel ist das Angebot an Ferienhäusern sehr vielseitig und umfangreich.
Wer sich eine hochauflösende Karte mit allen kleinen Strassen von Mallorca ansieht wird feststellen, dass gerade der Norden und folgend das wellige, nach Süden führende Umland bis Sineu und fast Algaida von vielen kleinen Strassen durchzogen ist. Auch am Fuss des Tramuntana ergeben sich einige Variationsmöglichkeiten zur Streckenplanung, ohne dass man auf verkehrsreiche Strassen ausweichen muss.
Nimmt man 110Km als max Streckenlänge lassen sich bei Start in Alcudia Touren zum Kloster Cura oder Sant Salvador, Valldemossa oder Orient fahren. Genauso erreichbar ist das Kloster Lluc im Tramuntana oder Sa Calobra. Diese Trainings kann man dabei zumeist auf kleinen und verkehrsarmen Strassen machen, welche Mallorca auf eine Art zeigen, wie es der normale Tourist nie zu Gesicht bekommt.
Die landschaftlich schönste Tour der gesamten Insel ist die Fahrt auf der nun komplett neu asphaltierten Strasse zum Cap Formentor und nicht zu vergessen zu dem alten Wachturm oberhalb des Mirador de Formentor. Dort oben hat man den schönsten Blick über die Buchten von Pollenca und Alcudia. Wer hier noch nie war und eine Pause genossen hat sollte das möglichst bald nachholen!
Nicht auslassen sollte man aus Alcudia Richtung Mal Pas-Bonaire die Halbinsel direkt gegenüber von Pt.Pollenca. Leider endet sie frühzeitig als Sackgasse am militärischen Sperrgebiet. Die kurzen Anstiege (ausnahmslos mit 9-12%) und die herrliche Sicht auf die Bucht von Pollenca entschädigen  für den Kraftaufwand. Dabei auch den 800m Abzweig hoch zum Restaurant "La Victoria" fahren. Das Restaurant ist eine Top Empfehlung zum Pausieren aber auch zum Essen: Paela sigo. Einen Tisch für 19:30 Uhr (im Mai) in der ersten Tischreihe reservieren. Eine Stunde später sieht man in der Regel einen grandiosen Sonnenuntergang, tief unter sich die Bucht von Pollenca.
Noch einen Tour-Tipp möchte ich geben. Sa Calobra gehört bei den meisten zum Standardprogramm auf Mallorca. Obwohl der Puig Major von Soller aus einen noch höheren Anstieg mit sich bringt ist Sa Calobra die grössere Herausforderung. Ich würde allerdings empfehlen nach der Abfahrt gleich durch zu starten, 200Hm zu klettern und dann den top asphaltierten Abzweig zur Cala Tuent zu nehmen. Diese kleine Naturbucht ist um ein vielfaches schöner und weniger rummelig als Sa Calobra. Sie bietet auf der linken Seite auch ein sehr nettes Restaurant mit toller Aussicht, in welchem Fahrradfahrer willkommen sind. Für mich ist die Cala Tuent das schönere Sa Calobra! Wer die 400 zusätzlichen Hm nicht fahren kann/will sollte Calobra mal auslassen und nur die Cala Tuent ansteuern.

Wer Tourempfehlungen oder -vorschläge sucht findet diese bei Gpsies in meinem 
Mallorca Ordner.
Als Abschluss biete ich die unten zu sehende Mallorca-Karte als PDF zum Download an. Die Karte im Format A3 beinhaltet farblich markierte Strassen nach den für uns Rennradfahrer massgeblichen Gesichtspunkten.
Gedacht ist sie als Planungshilfe für Navitouren, vielleicht reicht sie auch dem ein oder anderen als voll umfängliche Fahrradkarte.
Diese Map aktualisiere ich jedes Jahr. Natürlich kann ich nicht alle Strassen abfahren und neu bewerten, daher bin ich für Hinweise, insbesondere wenn es um zu vermeidende Strassen geht, sehr dankbar!

PDF, Dateigrösse ca 500KB
Download mit Rechts-Klick auf die Grafik

Sehr zu empfehlen ist auch die
Übersichtskarte der mallorcinischen Inselverwaltung mit Einstufung der Strassen für Fahrradverkehr und Baumassnahmen ab 2017!

Danke für's Lesen!
Meine Fahrradwelt auf KetteRechts.de