ROTOR InPower Powermeter und Q-Rings Kettenblätter
Stand: 01.12.2016

Vorwort
Bei der Anschaffung meines neuen Rades stand ich neben der schweren Entscheidung DI2 ja oder nein (es wurde NEIN und kein Shimano) vor dem Problem des passenden Powermeters.
Dabei stellten sich mir einige grundsätzliche Fragen bei der Entscheidung: linksseitige vs. beidseitige Messung:
Frage 1: Sind meine Erwartungen an Leistungssteigerung so hoch, dass ich die letzten 4% unter Qualen aus mir heraus holen will?
Frage 2: Belaste ich überhaupt meine beiden Beine unterschiedlich?
Frage 3: Ist mir Beidseitig den nahezu doppelten Preis wert?
Frage 4: Ist es überhaupt aus medizinisch/orthopädischer Sicht gut für meinen Körper, wenn ich an der gewohnten Kraftverteilung etwas ändere? Schliesslich hat diese eine Grund.
Von Pedalsystemen hatte ich schon länger Abstand genommen, da meine Erfahrungen mit Look-Pedalen nicht die Besten sind und alle diese Systeme sich nur auf diesen Quasi-Pedalstandard stützen.
Zudem sind in meinem Bekanntenkreis die Erfahrungen mit diesen Systemen (meist Garmin Vector) nicht wirklich positiv.
Wenn man den Tests von DC Rainmaker Vertrauen schenken möchte wäre bei den Pedalsystemen die PowerTap P1 wohl die erste Wahl.
Powertab-Naben schränken die Laufrad-Auswahl ein, bleiben noch Kurbelarmsysteme.
Hier hat sich STAGES eigentlich einen ganz guten Ruf erworben. In der Vergangenheit waren nur Batterielaufzeiten und Dichtigkeitsprobleme des Batteriefachs problematisch.
Seit neuestem gibt es dann noch den
PowerPod. Wäre er mit avisierten 300$ nicht so teuer hätte er das Zeug das Volks-Powermeter zu werden. Das Gerät wird vor dem Lenker montiert und misst den Staudruck der Luft beim Fahren. Damit scheidet es logischer Weise für den Betrieb auf der Rolle im Wintertraining aus, hat aber andererseits den Vorteil, dass man es mit wenigen Handgriffen von Rad zu Rad mitnehmen kann. Für diese Art Messtechnik sind die Ergebnisse erstaunlich genau, neigt aber in gewissen Situationen, zB auf Kopfsteinpflaster, zu massiven Ausreissern. Trotzdem wäre der PowerPod ein besseres, trainingsbegleitendes Messinstrument als die alte, herkömmliche HF/TF Methode!
Da es sich bei mir aber um ein Neurad handelt (gilt natürlich auch für Käufer einer neuen Kurbel) habe ich mich für
ROTOR InPower entschieden.

Die geschützte Montage in der Achse, keine sichtbaren Komponenten oder Batteriegehäuse am Rad waren die ersten Kaufargumente. Als Stromversorgung nur eine AA-Batterie mit ca 180Std Lebensdauer, versteckt in der Kurbelachse ist schon eine geniale Konstruktion.
Firmware-Updates sind via PC/Mac möglich. Die installierte Fw hatte einen uralt Versionsstand (0.003) während die aktuell zum Download freigebene Version bereits die 2.2 ist.
Man sollte also als erstes ein Fw-Update durchführen.
Das verlief bei mir anfangs etwas zickig und brach immer ab. Grund war die zu grosse Entfernung des USB-Dongle von der Kurbel. Erst, als ich mit USB-Verlängerungskabel den Stick auf ca 1m an das Rad heranbrachte funktionierte das Update problemlos.
Zwischenzeitlich hatte ich direkten Kontakt mit dem TechService von ROTOR. Grund war mein Wechsel von Win8 auf Win10. Danach funktionierte die ANT+ Verbindung vom PC zur InPower nicht mehr und ich konnte das letzte Fw-update für die Kurbel nicht installieren.
Nach Zusendung der dabei entstandenen Error-Log Datei  an ROTOR erhielt umgehend vom Service eine angepasste Softwareversion, welche das Problem auch tatsächlich löste. So stelle ich mir Sevice und Kundennähe vor!
Die Kopplung mit dem Edge1000 verläuft wie bei allen anderen Sensoren absolut stressfrei.
Die Kalibrierung soll man nach Kettenblattwechsel oder nach ca. 30 Stunden Nutzung erneuern. Der Ablauf ist absolut banal.

Diese Fragen muss jeder für sich alleine beantworten. Mir reicht jedenfalls eine einseitige Messung aus, vor allem nach dem ich nach einem 60 Minuten Test mit einer Verteilung von 52:48 vom Rad gestiegen bin. Was soll ich daran noch ändern? Das das Sprungbein stärker ist als das Standbein weiss wohl jeder. Das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Beinen wird wohl bei allen etwas unterschiedlich sein.
Nach dieser Entscheidung bleibt die Wahl des Mess-Systems.
Nach der ersten Fixierung von Sattel und Lenker am neuen Rad hatte ich das Gefühl, dass passt schon richtig gut. Auschlaggebend waren die übertragenen Parameter vom vorigen Rad und die üblichen kleinen Hilfen wie Lot an/vor der Kurbelachse etc. sowie natürlich das Körpergefühl.
Dann habe ich die Analyse mit der ROTOR-Software gestartet. Dazu benötigt man neben der Software einen PC oder Mac sowie einen USB2.0  ANT+ Dongle (nicht im Lieferumfang von ROTOR). Den braucht man sowieso für den Fall der Firmware-Aktualisierung oder wenn man zB live mit GoldenCheetah oder mit Web-Portalen wie Trainerroad oder Zwift arbeiten möchte.

Kurz noch die Definition zum bereits gefallenen Begriff OCP.
"Optimum Chainring Position" definiert bei ovalen Kettenblättern die Position, an welcher die optimalste Kraftübertragung erfolgt. Je nach Spider sind bis zu 10 verschiedene Positionen möglich, Position 3 ist Standard.

Bei Verwendung runder Kettenblätter hat dies keine Bedeutung, die Funktionalität der im folgenden beschriebenen Software bleibt aber gleich, wenn es darum geht eine optimale Sitzposition zu finden.

Analyse Kraftübertragung mit der ROTOR-Software
Worüber ich mir bei meiner Kaufeentscheidung noch gar nicht so richtig bewusst war: Ich habe mit der Software von ROTOR zusätzlich ein nützliches Bike-Fitting Analyse-Tool umsonst dazu bekommen.
Ich schreibe bewusst Bike-Fitting. Ich erhalte mit der Software zwar keine Winkelvermessung etc. meines Körpers am Rad, aber die Software liefert mir Informationen über die optimale Druckphase am Pedal. Mit dieser Grafik/Werten kann man hervorragend selbst als Laie seine Sitz- und Körperpositionen analysieren um die meiste Kraft übertragen zu können. Das ist zwar etwas mühselig, aber es funktioniert und ist umsonst.
Da ich gleichzeitig auch ovale Kettenblätter (Q-Rings) nutze, analysiert das Programm auch gleich mein Tretverhalten und zeigt mir die optimale OCP-Einstellung für die Kettenblätter an. COOL!
In dem oberen Screenshot sieht man die Messparameter von Q-Rings in der montierten Standardposition 3. An dem grossen Messkreis erkennt man die Kraftverteilung, dargestellt am Kurbelkreis über 360°. An dem kleinen inneren Kreis den uneffektiven Anteil der Kurbelbewegung.
Der grüne Balken zeigt auf die aktuell gemessene OCP-Einstellung.
Anhand der dargestellten Parameter ist nun in der oberen, horizontalen Datenleiste zu erkennen, dass die OCP-Einstellung 4 für das ovale Kettenblatt effektiver wäre.
Also runter vom Rad und Kettenblatt auf Position 4 ummontiert.

In dem zweiten Screenshot sieht man nun die Veränderung. Der kleine Kreis (ineffektiver Bereich der Kurbelumdrehung) ist gegenüber der vorigen Einstellung erheblich geschrumpft, der grosse Kreis beschreibt eine effektivere Kraftübertragung. In der oberen Datenleiste bleibt OCP4 weiterhin die Empfehlung. Alles richtig gemacht.

Logischer Weise hat die Einstellung des Sattels hinsichtlich der Kraftübertragung ebenfalls Auswirkungen.
Hier beginnt jetzt das Experimentieren, in welcher Sitzposition man die optimalsten Werte erreicht.
Da kann es durchaus passieren, dass sich der Druckpunkt mit der höchsten Kraftübertragung nochmals auf die OCP Einstellungen auswirkt.

Insgesamt hat sich bei mir von dem Zeitpunkt der ersten Messung bis zur jetzigen Sitzposition (Höhe und Positon verändert, Lenkerhöhe angepasst) eine Verbesserung von ca 8% ergeben. Für 8% mehr Leistung muss man schon ganz schön viel strampeln!

Alle diese Tests habe ich Indoor auf der Rolle durchgeführt, was sich aus praktischen Erwägungen (Umbau Sattel und ggf. Q-Rings) sowie dem erforderlichen PC ergibt.
Schön ist auch, dass Anfang 2017 diese ROTOR Software als App für das Smartphone zur Verfügung stehen wird, man ist also nicht mehr zwingend auf einen PC in Fahrradnähe angewiesen.

Aus dieser Summe von Erfahrungen bisher eine klare Kaufempfehlung für ein ROTOR Powermeter.

Danke für`s Lesen!
Meine Fahrradwelt auf KetteRechts.de